Schwester Myriam in Indien

Schwester Myriam ist Mitglied der Hausgemeinschaft Diemelstraße 3 in Wethen. Vom 24. September 2002 bis zum Frühjahr 2003 besuchte sie verschiedene Projekte in Indien und arbeitete dort mit. Die Berichte, die sie von unterwegs geschickt hat, werden auf dieser Seite veröffentlicht.

aktuelle Adresse:
Schwester Myriam
Diemelstr. 3
D-34474 Diemelstadt-Wethen
eMail: Schwester.Myriam@web.de


1. Brief aus Bombay, 26. September 2002
2. Bericht mit Informationen aus Bombay und Koratla (150 km von Warangal), erhalten am 7. Oktober 2002
3. Bericht, aus Cochin, erhalten am 26. Oktober 2002
4. Bericht, aus Cochin, mit Informationen aus Koratla, Hyderabad, Visakhapatnam, Bangalore, erhalten am 9. November 2002
5. Bericht
, aus Cochin, erhalten am 18. November 2002
6. Bericht, Weihnachtsbrief, erhalten am 20. Dezember 2002
7. Bericht, aus Cochin, erhalten am 2. Januar 2003
8. Bericht, aus Cochin, erhalten am 4. Januar 2003
9. Bericht, aus Cochin, erhalten am 5. Februar 2003
10. Bericht, aus Cochin, erhalten am 25. Februar 2003
letzter Bericht, geschrieben nach der Rückkehr


1. Brief aus Bombay, 26. September 2002

„Wer einmal nicht mit den Augen, sondern mit der Seele in Indien gewesen ist, dem bleibt es ein Heimwehland." (Hermann Hesse)

Hallo Ihr Lieben,
Indien hat mich wieder, intensiver denn je....

Es war ein wunderschöner Flug, buchstäblich hoch über den Wolken. Ausser über der Türkei und teilweise über dem Iran, war wirklich eine geschlossene Wolkendecke.

Wir landeten um Mitternacht, 29 Grad Celsius. Wie warm es am Tag wird, habe ich gar nicht nachgefragt. Man muss nicht immer alles wissen.

Die Swiss ist eine äusserst saubere Airline. Die Passagiere werden gebeten, das Waschbecken nach Gebrauch mit einem Tüchlein auszureiben, für den nächsten Passagier. Beim Landeanflug habe ich mich gewundert, wie tief die Maschinen über die Häuser hinweg donnern. Ausserdem wird dort das Zuviel an Kerosin abgelassen.

Die Adresse von Daniel taugte wirklich so viel, um "die Frau Müller in Frankfurt" zu finden. Sein Computer war einige Tage nicht funktionsfähig gewesen. Dank einem Rudel sehr zuvorkommender Airportguards wurde mitten in der Nacht an verschiedene Orte angerufen und die Adresse in 0 wie nix herausgefunden. Daniel wiederholte nochmals den Wunsch, dass ich erst bei Tagesanbruch kommen sollte. Nach langen, wenn auch nicht langweiligen 6 Stunden mietete ich einen Toyota mit Fahrer. Als wir das Haus endlich fanden, wusste ich auch, warum ich den Tag abwarten sollte. Es war ein fürchterliches Gefühl, mit Toyota, Fahrer und schwerem Koffer hier anzukommen. Sonst war übrigens nirgends ein Problem mit meinem Gepäck gewesen, aber der arme Fahrer wog wahrscheinlich nicht viel mehr als mein Koffer.

Übrigens ist hier auch die Gegend, wo das Kerosin rausgelassen wird. Die Slums sind über Kilometer bis dicht an den Flughafen gebaut.

Daniel (rechts auf dem Foto) wusch gerade seine Kleider. Ich glaubte Gandhi leibhaftig vor mir zu haben. Hier ist auch noch eine Praktikantin aus den USA, Michelle (links auf dem Foto). Wir mochten uns sofort. Sie arbeitet an einer Magisterarbeit über Entwicklung. Sie ist sehr begeistert und möchte ein Jahr bleiben. Man ist hier einfach voll am Leben dran, das ist das Begeisternde. Ein Beispiel: Da sitzt eine junge Mutter in einer Hütte drin, die mehr ein Zelt aus Fetzen ist. Sie stillt ihr Kind und strahlt dabei eine Freude und ein Glück aus, wie es eine Königin nicht besser könnte.

Daniel ist sehr liebenswürdig, aber da ich schon mal in Indien war, erwartet er, dass ich schon alles weiss und kann. Tatsächlich war ich in Bangalore aber sehr beschützt und durfte nur in seltenen Fällen alleine ausgehen. So holten Michelle und ich gleich am ersten Tag, nach der durchwachten Nacht die Fahrkarte für die Bahnfahrt nach Warangal und wurden dabei gleich tüchtig beschissen. Aber wer nicht beschissen werden will, sollte nicht nach Indien fahren.


"Eliminate Corruption At All Levels" - I promise to neither accept nor give.

Michelle zeigte mir auch das Friedenszentrum mit Gandhi-Buchladen und Bioladen, wo sie und Daniel arbeiten. Das alles liegt kilometerweit auseinander mit entsprechenden Busfahrten.

Gestern war eine grosse Demonstration gegen den schrecklichen Anschlag in Gujarat, ca. 100 km von hier. (Eingefügt aus Deutsche Welle Nachrichten vom 24.9.2002: Viele Tote bei Angriff auf Hindu-Tempel.
NEU DELHI: Bei einem Massaker in einem Hindu-Tempel sind im indischen  Bundesstaat Gujarat  mindestens 29 Glaeubige getoetet worden. Rund 70 Menschen wurden nach Regierungsangaben verletzt, als drei  Bewaffnete in den Tempel in Gandhinagar eindrangen und das Feuer auf die Glaeubigen eroeffneten. Die Polizei habe den Tempel abgesperrt. Nach Angaben von Augenzeugen verschanzten sich die Taeter auf dem Dach des Gotteshauses. Der Bundesstaat Gujarat war im Fruehling von einer Serie blutiger Zusammenstoesse zwischen Moslems und Hindus erschuettert worden.
)

Das Ganze war wohl organisiert von der Gandhy-Organisation, bei der Daniel arbeitet. Ich hätte sehr Interesse gehabt hinzugehen, aber im Moment ist es mir noch zuviel. Ich muss mich auch wieder zuerst ans Indian English gewöhnen und ganz vieles mehr.

Hingegen die Erdcharten und andere Dinge, die ich im ÖIEW-Büro und beim OeD geholt habe, sind bei Michelle und Daniel auf grosses Interesse gestossen.

Heute bleiben die Läden geschlossen aus Trauer wegen dem Anschlag. Die Strassen sind voller spielender, klatschender, sich unterhaltender Leute. Es hört sich mehr nach Volksfest an.

Daniel lässt auch mit unbeschreiblich leuchtenden Augen Uli Sonn grüssen. Er kennt Beena Sebastian von Cochin und Professor Ramaswami in Bangalore. Auch in Indien ist die Welt nur ein Dorf.

Am Sonntag, den 28. fahre ich weiter nach Warangal, nördlich von Hyderabad, 931 km weit. Die Fahrt im Schlafwagen kostet umgerechnet 6,50 Euro. Dort werde ich von Pater Jose Marie abgeholt. Ehrlich gesagt, ich bin froh, erst mal wieder zwei Wochen behütet zu sein.

Bis dahin die herzlichsten Grüsse und weitere Verbundenheit im Gebet, das spüre ich schon!!

Schwester Myriam

weiter zum 2. Bericht...


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